Pressegespräch und Vorbesichtigung: Donnerstag, 7. März, 11.00 Uhr

Das Museum Abteiberg und die Kunststiftung im Museum Abteiberg freuen sich über eine großzügige Schenkung der Familie Hoffmann.
Die Sammlung Hoffmann umfasst Werke zeitgenössischer Kunst in verschiedensten Medien, erworben in den vergangenen fünf Jahrzehnten von Erika und Rolf Hoffmann. Zunächst in Mönchengladbach, später in Köln beheimatet, wanderte die Sammlung mit dem Umzug der Hoffmanns nach Berlin, wo sie seit 1997 an Samstagen öffentlich zugänglich ist.
Solange Erika und Rolf Hoffmann in Mönchgladbach lebten, fühlten sie sich dem Museum eng verbunden und unterstützten es nach Kräften. Angeregt vom Austausch mit Künstlern, deren Arbeiten sie im Städtischen Museum kennenlernten, begannen sie in den späten 1960er Jahren zu sammeln. Seitdem verfolgten sie die aktuellen Entwicklungen und Fragen in der Gegenwartskunst.
Nun gehen insgesamt sechs Werke von Isa Genzken, Mike Kelley, Gordon Matta-Clark, Steve McQueen und Felix Gonzalez-Torres / Christopher Wool in die Sammlung des Museums Abteiberg ein, ausgesucht von Susanne Titz mit dem Wunsch, die Sammlungsbestände durch diese unterschiedlichen künstlerischen Positionen an präzisen Anschlussstellen zu ergänzen. Isa Genzken, Mike Kelley und Gordon Matta-Clark sind bereits in der Museumssammlung vertreten und nun in umfassenderer Weise repräsentiert. Mit einer Gemeinschaftsarbeit von Felix Gonzalez-Torres und Christopher Wool und einem Film von Steve McQueen kommen wichtige neue Positionen hinzu.
Die Schenkung wird der Öffentlichkeit am 10. März im Beisein der Familie Hoffmann vorgestellt.

Isa Genzken
Dach, 1989
Beton und Stahlgestell
258 x 144 x 65 cm
Die Arbeit Dach entstand 1989 als später Bestandteil einer vier Jahre zuvor begonnenen Serie von Betonarbeiten, die Genzken durch Abgussverfahren fertigte. Hierbei bilden sich architektonische Fragmente, ähnlich Korridoren, Türmen und Fenstern – oder eben einem Dach. Jene späteren Arbeiten dieser Serie zeichnen sich durch eine Ambivalenz aus destruktiven und konstruktiven Momenten aus. So erinnern die Werke einerseits an ruinenhafte Überreste, gleichzeitig aber spürt Genzken den allgegenwärtigen kubischen Bauelementen der modernen Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach.
Durch seine Oberflächen- und Formgestaltung verweist Dach auf sein dagewesenes Abguss-Gegenstück und entwickelt sich gleichzeitig zu einer eigenständigen architektonischen Konstruktion.

Felix Gonzalez-Torres gemeinsam mit Christopher Wool
„Untitled“, 1993
Druck auf Papier, unbegrenzte Anzahl an Exemplaren
8 inches (20,32 cm) bei idealer Höhe x 37 inches (118,9 cm) x 55,5 inches (84,1 cm) (originale Blattgröße)
Mit „Untitled“, einer Gemeinschaftsarbeit von Felix Gonzalez-Torres und Christopher Wool, gelangt ein Werk in die Sammlung des Museums Abteiberg, das den BesucherInnen auf besondere Weise ein Heraustreten aus der passiven Betrachterrolle ermöglicht. Es handelt sich dabei um einen auf dem Museumsboden ausgelegten Stapel Blätter. Auf jedes Blatt ist das Bild eines schwarzen, schablonierten Textes gedruckt, ein Kunstwerk von Christopher Wool: „THE SHOW IS OVER THE AUDIENCE GET UP TO LEAVE THEIR SEATS TIME TO COLLECT THEIR COATS AND GO HOME THEY TURN AROUND NO MORE COATS AND NO MORE HOME“.
Dem Museumspublikum ist es gestattet, Blätter des Stapels mitzunehmen. Durch den somit stetig kleiner werdenden Stapel werden Veränderung und Wandel zu vermittelnden Medien des Kunstwerks und gleichzeitig zu seinem Inhalt.

Mike Kelley
Arena #4 (Zen Garden), 1990
Stofftiere unter afghanischem Teppich
140 x 182 x 24 cm

Figure Ground, 1990
Filz, verschiedene Materialien
183 x 180 x 23 cm, 180 x 160 x 26 cm
Mit den beiden Neuzugängen Arena #4 (Zen Garden) und Figure Ground erhält die Sammlung zwei Textil-Arbeiten des Künstlers. In beiden Fällen lässt sich Kelleys bewusster Umgang mit der jüngeren Kunstgeschichte, unter anderem mit der Minimal Art, die skulpturale Objekte nicht mehr auf Sockeln, sondern direkt auf dem Boden platzierte. Kelley greift die industrielle, saubere und glänzende Ästhetik der Minimal Art auf, transformiert sie aber und lässt sie in einem weichen, abgenutzten und handgefertigten Erscheinungsbild auftreten.
In seiner Arbeit Arena #4 (Zen Garden) heben sich unter dem Stoff eines auf dem Boden liegenden afghanischen Teppichs unebene Hügel ab. Durch die Annahme, unter dem Teppich befänden sich Stofftiere, spielt Kelley mit der schnell einsetzenden und psychologisch aufgeladenen Deutungsweise durch die BetrachterInnen, es handle sich hierbei um ein persönliches und mit traumatischen Ereignissen aufgeladenes Werk.

Gordon Matta-Clark
City Slivers, 1976
16mm Film, ohne Ton
15 Minuten
Der Film City Slivers aus dem Jahr 1976 zeigt in 15 Minuten das städtische Treiben in New York. Die Aufnahmen präsentieren sich als schmale Streifen, der übrige Bereich ist schwarz. Teilweise sind diese „Splitter“ an den Seitenrändern der Projektion positioniert, manchmal sind sie zentriert, oder mehrere Streifen bewegter Bilder sind nahtlos aneinandergesetzt. Es entsteht eine filmische Montage, die von Themen wie der Infrastruktur und der von vertikaler Hochhausarchitektur geprägten Stadtlandschaft New Yorks genauso handelt wie von der künstlerischen Entscheidung, einen Bildausschnitt zu setzen.

Steve McQueen
Charlotte, 2004
16mm Film, ohne Ton
5:42 Minuten, Loop
McQueen, der hinreichend durch sein filmisches Werk bekannt ist, agiert ebenso erfolgreich seit den 1990ern im Bereich der bildenden Kunst. Ganz in Rottönen gehalten zeigt der Film Charlotte als Nahaufnahme das Auge der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling. Vor diesem bewegt sich bedrohlich der Finger des Künstlers. Er streicht über das Lid, glättet die Hautfalte und berührt schließlich den Augapfel. Die BetrachterInnen werden eingenommen von dem Gefühl, einem Moment gnadenloser Verwundbarkeit beizuwohnen. Sowohl Kamera- als auch Augenlinse verlieren in der fast sechsminütigen Sequenz stetig ihren Fokus und passen diesen jeweils neu an. Im abgedunkelten Präsentationsraum lässt McQueen die Grenzen von eigener und fremder Körperlichkeit verschwimmen.

Die Sammlung Hoffmann
„Erste Entdeckungen in der zeitgenössischen Kunst machten Erika und Rolf Hoffmann in den 1960er Jahren auf den frühen Documentas in Kassel sowie in den Museen, Kunsthallen und Kunstvereinen im Rheinland. Diskussionen mit Künstlern*innen über deren Konzepte und die Werke, die diese verkörperten, wurden zu intellektueller Herausforderung im privaten, aber auch zu kreativer Inspiration im professionellen Bereich.
Um trotz Familie und Führung des eigenen Unternehmens den direkten Zugang zu den Ideen und Diskursen der Kunstszene beizubehalten, entschlossen sie sich in den späten 1960er Jahren gelegentlich zu ersten Ankäufen, meist Werken befreundeter Künstler. Die Vielfalt der künstlerischen Äußerungen begeisterte sie als ein in ihren Augen wesentliches Charakteristikum der zeitgenössischen Kunst. Sie suchten nach Innovationen, ganz gleich in welchem Medium. Die Beschäftigung mit der Gegenwartskunst bot ihnen die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den aktuellen Fragestellungen der Gesellschaft.
Nach dem Verkauf Ihres Unternehmens 1985 nahmen sich die Hoffmanns mehr Zeit und finanzielle Freiheit für ihre Passion. Nach wie vor verstanden sie ihr Sammeln jedoch als nur dem persönlichen Geschmack und Interesse folgende Leidenschaft, die entsprechend privat blieb.
Das änderte sich mit dem Fall der Mauer. Da Erika und Rolf Hoffmann die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen nach der Wiedervereinigung aktiv mit gestalten wollten, entwickelten sie die Idee einer Kunsthalle in Dresden in öffentlich-privater Partnerschaft nach einem kühnen architektonischen Entwurf des amerikanischen Künstlers Frank Stella. Die Hoffmanns – als Initiatoren des Projektes, das sich langfristig selbst finanzieren sollte – wollten Investoren als Zustifter und weitere Sammler als Leihgeber gewinnen. Als ihr Vorhaben an staatlichem Widerstand scheiterte, begannen sie, über eine private und damit unabhängige Möglichkeit nachzudenken, ihre Sammlung nach außen zu öffnen.
Berlin – 1994 fanden sie eine leer stehende Fabrik in Berlin-Mitte, renovierten und wandelten sie in großzügige Lofts um. Ihr Ziel war, möglichst viele Kunstwerke gleichzeitig zu sehen und diese Erfahrung zeitweise mit Besuchern teilen zu können. Seit dem Einzug 1997 sind ihre Wohn- und Arbeitsräume jeden Samstag der Öffentlichkeit zugänglich.
Nach dem Tod von Rolf Hoffmann 2001 setzt Erika Hoffmann das gemeinsam Begonnene alleine fort.“1

1 Homepage https://sammlung-hoffmann.de/index.php?p=geschichte
copyright Sammlung Hoffmann 2018

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STEVE McQUEEN, Charlotte, 2004
(Film still) 16mm colour film
Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery © Steve Mc Queen


ISA GENZKEN, Dach, 1989
Beton und Stahlgestell, 258 x 144 x 65 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


ISA GENZKEN, Dach, 1989
Beton und Stahlgestell, 258 x 144 x 65 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


Isa Genzken, Dach, 1989
Beton und Stahlgestell, 258 x 144 x 65 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


Mike Kelley, Arena #4 (Zen Garden), 1990
Stofftiere, Decke, 140 x 182 x 24 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


Mike Kelley, Arena #4 (Zen Garden), 1990
Stofftiere, Decke, 140 x 182 x 24 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


Mike Kelley, Figure Ground, 1990
Filz, verschiedene Materialien
183 x 180 x 23 cm und 180 x 160 x 26 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Uwe Riedel


Gordon Matta-Clark, City Slivers, 1976
16mm Film, ohne Ton, 15 Min.
Filmstill © VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Gordon Matta-Clark (1943-1978), City Slivers, 1976
16mm Film, ohne Ton, 15 Min.
Filmstill © VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Felix Gonzalez-Torres gemeinsam mit Christopher Wool
„Untitled“, 1993
Druck auf Papier, unbegrenzte Anzahl
8 Inch bei idealer Höhe x 37 Inch x 55 ½ Inch (20,3 x 118,9 x 84,1 cm) (originale Blattgröße)
© Felix Gonzalez-Torres, Courtesy of The Felix Gonzalez-Torres Foundation
Foto: Uwe Riedel


Felix Gonzalez-Torres gemeinsam mit Christopher Wool
„Untitled“, 1993
Druck auf Papier, unbegrenzte Anzahl
8 Inch bei idealer Höhe x 37 Inch x 55 ½ Inch (20,3 x 118,9 x 84,1 cm) (originale Blattgröße)
© Felix Gonzalez-Torres, Courtesy of The Felix Gonzalez-Torres Foundation
Foto: Uwe Riedel