Lin & Lam, Three Missing Letters, 2020; courtesy of the artists

Das Museum Abteiberg freut sich sehr über die großzügige Schenkung von OUTSET Germany_Switzerland, die sechs Filmproduktionen der KW Production Series (2018 – 2020) umfasst. Im Museum Abteiberg wird die Schenkung in zwei Phasen vorgestellt: in Form einer online-Microsite, die im März 2021 auf der Homepage des Museums eingestellt wird, und als Präsentation in der Sammlung, die im September 2021 eröffnet.

Die Mikroseite wird vom 18. März bis zum 1. April 2021 auf der Website des Museums Abteiberg abrufbar sein. Es werden aktuelle Film- arbeiten von Onyeka Igwe, Lin + Lam und Rachel O’Reilly gezeigt. Alle drei Arbeiten haben deutlich unterschiedliche Bildsprachen, aber auch Themen und Erzählungen, die sich überschneiden: gemeinsame Fragen zur Politik der Archive, zur Geschichte alternativer Wissenssysteme und zur Dokumentation mündlicher Kulturen.

Lin + Lam, bestehend aus Lana Lin und H. Lan Thao Lam, zeigen eine Arbeit, die die Geschichte des verschollenen Raketenpostpioniers Stephen H. Smith adaptiert. Im Jahr 1934 versuchte Stephen H. Smith auf dem Meer vor der Insel Saugor insgesamt 143 Briefe mit einer Rakete zu verschicken. Das Experiment scheiterte und die Rakete explodierte in der Luft. 140 der 143 Briefe wurden wiedergefunden, drei jedoch blieben verschollen. Three Missing Letters erzählt die Geschichte dieser Briefe und spekuliert über ihren möglichen Inhalt.

Onyeka Igwe lebt und arbeitet in London. Ihre Arbeiten bestehen oft aus Videos, Tonaufnahmen und Tanzsequenzen. A So-Called Archive umfasst Filmmaterial, das in zwei verschiedenen kolonialen Archivgebäuden aufgenommen wurde – in Lagos, Nigeria und in Bristol, Großbritannien. Onyeka Igwe zeigt ein forensisches Interesse an den Bildern der kolonialen Vergangenheit und ihren Institutionen. Das in Lagos gefilmte Gebäude beherbergte die ehemalige Nigerian Film Unit. Als Teil der sogenannten Colonial Film Unit (1932 – 1955) war sie einer der ersten Außenposten der britischen Bildpropaganda. Jetzt steht der Bau leer, ausgehöhlt und seiner Materialien entledigt. Das zweite in Bristol ist das ehemalige Empire and Commonwealth Museum (2002 – 2009). Es beherbergte Foto-, Film- und Objektsammlungen aus dem damaligen britischen Weltreich.

INFRACTIONS von Rachel O’Reilly ist ein Do- kumentarfilm, der sich auf den australischen Norden und seine einheimischen Kulturschaf- fenden konzentriert. Rachel O’Reilly konzentriert sich auf die gravierenden Auswirkungen des Frackings auf die lokalen Ökosysteme und die Folgen für die große alte Verständigungspraxis, die Kultur der „Songlines“ (Traumpfade). Fracking kann das Grund- als auch das Oberflächenwasser vergiften und natürliche Landschaften schädigen. Die „Songlines“, kulturelles Phänomen von großer Bedeutung für die indigenen Völker Australiens, bilden ein unsichtbares Netz von Pfaden quer über den Kontinent als Grundlage der traditionellen Wanderungen. Geografisch kartiert werden sie durch Lieder, Tänze und Erzählungen als mündliches Archiv geformt.

Die KW Production Series wurde 2018 vom KW Institut for Contemporary Art in Zusammenarbeit mit OUTSET Germany_Switzerland und der Julia Stoschek Collection initiiert und von Mason Leaver-Yap, Assoziierte*r Kurator*in der KW, produziert wurde. Die Präsentation im Museum Abteiberg wird von Haris Giannouras kuratiert.