44 Jahre nach der Eröffnung des Museums Abteiberg wird der von Hans Hollein entworfene Weg über die Brücke zum Haupteingang auf dem Dach des Museums realisiert. Es geschieht der Durchstich des Museums Abteiberg zur Stadt. Während des Jahres 2026 ist es eine Baustelle, zur nächsten Jahreswende 2026/27 ein neuer Stadtraum, der das Museum mit der Innenstadt verbindet und in ihr sichtbar macht.

Die heutigen Stadtplaner realisieren nicht die Originalidee der schmalen Passage, die Hans Hollein in den 1970er Jahren durch das Erdgeschoss eines Ladenhauses schlagen wollte, sondern einen offenen Grün-, Platz- und Wegeraum auf der leergeräumten Fläche verlassener Geschäftshäuser.

Von 2026 bis 2028 wird das Museum Abteiberg mit diesem urbanen Vorhaben befasst sein. Am Museum selbst wird die Medialinie sowie die gesamte Terrassen- und Treppenanlage restauriert, die auf dem Dach des Museums zum Haupteingang führen. Parallel realisiert das Museum umfassende Restaurierungen der Skulpturensammlung im Außenraum: u.a. des Stabiles Pointes et Courbes von Alexander Calder auf der Plattenebene und des Brunnens von Erwin Heerich auf dem neu gestalteten Alten Markt. Während dieser Zeit werden auch neue Objekte erscheinen, in denen sich die bedeutende Tradition von Kunst im öffentlichen Raum von Mönchengladbach fortschreibt. Es sind Projekte in enger künstlerischer Zusammenarbeit, die in der kommenden Zeit nach und nach veröffentlicht werden. Der US-amerikanische Künstler Grant Mooney setzt den Anfang mit einer Windharfe auf dem Museumsdach, die zur Eröffnung seiner Ausstellung im Museum Abteiberg am 29. März 2026 sichtbar wird.

GRANT MOONEY
sum
mit Laura Aguilar, Olga Balema, Joseph Beuys, Patricia L. Boyd, Wisrah C. V. da R. Celestino, Hanne Darboven, Yael Davids, Niloufar Emamifar, Flint Jamison, Christian Jendreiko, Jannis Kounellis, Grant Mooney, Robert Morris, Winona Sloane Odette, Ulrich Rückriem, Takis u.a.m.

29. März – 20. September 2026
Eröffnung: 29. März, 12 Uhr

Der US-amerikanische Künstler Grant Mooney (*1990, Seattle, WA; lebt und arbeitet in Brooklyn, New York) entwickelt ein skulpturales Werk, das Material nicht als statische Größe, sondern als relationales Gefüge begreift. Durch Fertigungs-, Verbindungs- und Versiegelunsgtechniken, wie beispielsweise das Löten und Galvanisieren, transformiert Mooney Edelmetalle und industrielle Werkstoffe wie Silber oder Stahl zu halb abstrakten Objekten, deren Präsenz sich weniger aus ihrer Form als aus ihrem Verhältnis zum Raum und zur Umgebung entfaltet. In der Auseinandersetzung mit skulpturalen Verfahren legt er die vielschichtigen Kontexte und Beziehungen von Materialien und Formen offen und stiftet so neue, unerwartete Konstellationen. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von autonomer, abstrakter und ortsspezifischer Skulptur und präsentieren einen offenen, taktilen und vernetzten Skulpturenbegriff.

Die Ausstellung sum im Museum Abteiberg widmet sich dem Verhalten von Materialien in historischen wie zeitgenössischen künstlerischen Positionen. Ausgehend von Mooneys skulpturalem Ansatz werden die architektonischen und konzeptuellen Besonderheiten des Museums und zentrale Entwicklungen der (post-)modernen Skulptur neu gelesen und mit aktuellen Praktiken in Beziehung gesetzt. sum versammelt neue und bestehende Arbeiten von Grant Mooney, Werke weiterer zeitgenössischer Künstler:innen, Arbeiten aus der Sammlung des Museum Abteiberg sowie ausgewählte Leihgaben.

Im Dialog zwischen prägenden Kategorien des Minimalismus und Konzeptualismus, wie Gewicht, Dichte und Masse, und immateriellen Kräften wie biochemischen Prozessen oder atmosphärischen Veränderungen entfaltet sich ein vielschichtiges Ausstellungsgefüge. Ausgangspunkt ist eine neue, gemeinsam mit der Chisenhale Gallery in London produzierte Werkgruppe Mooneys, die Luft und ihre Bewegung als skulpturale Substanz in den Fokus rückt. Teil dieser Werkgruppe ist eine vom Künstler entworfene Harfe, die nicht durch Berührung, sondern durch die elementare Kraft der Luft in Schwingung versetzt und auf dem Dach des Museums installiert wird. Ähnlich wie dieses Instrument geben auch die anderen Werke in unterschiedlicher Weise Handlungsmacht ab und öffnen sich Fragilität und Transformation. Das Flüchtige und Unmessbare wird so zu einem zentralen Bezugspunkt und eröffnet neue Perspektiven auf Material, Raum und Wahrnehmung.

SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH
FELDVERSUCH #5: SAITO – AY-O
bis 22. November 2026

Mit Feldversuch #5: Saito – Ay-O ging die alphabetisch strukturierte Versuchsreihe, in der seit 2021 die Fluxus-Bestände von SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH präsentiert werden, am 20. November 2025 in die letzte Runde.

Seit 2017 im Besitz des Museums Abteiberg, soll SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH langfristig in Form eines Schaumagazins zu einer Anlaufstelle für die Erforschung von Fluxus und Kunst der 1960er und 70er Jahre werden. Zur Vorbereitung auf die Einrichtung eines solchen Ausstellungsformats inmitten des Museums ist in der letzten Ausgabe der Feldversuche die Meinung des Publikums gefragt: Wie haben den Besucher:innen die Feldversuche gefallen? Was wünschen sie sich für das geplante Schaumagazin?

Die gesammelten Anregungen fließen in den kommenden Jahren in die Entwürfe für die Präsentation des Gesamtbestands von SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH ein. Gleichzeitig stehen die Bestände des alphabetischen Abschnitts S (wie „Saito“) – A (wie „Ay-O“) im Fokus, sodass die Ausstellungsreihe, die 2021 mit „B“ wie „Beuys“ begann, ihren Abschluss findet.

Gerade die vielfältigen Schachspiele von Takako Saito zeigen einmal mehr, welch großen Stellenwert das Spielerische bei Fluxus einnimmt: Play Chess with the Sun! von 1993 besteht aus einer Sonnenbrille in einem Etui. Während auf das rechte Brillenglas ein Schachbrett aufgemalt ist, trägt das linke Glas die schlichte Aufforderung „HELLO! LET’S PLAY CHESS.“ Spielfiguren gibt es jedoch nicht. Die studierte Erzieherin Takako Saito beschäftigte sich seit den 1950er Jahren mit der Idee, dass in jedem Menschen ein schöpferisches Potential steckt. Ihre Schachspiele regen diese schöpferischen Kräfte beim Publikum an, indem die Spielregeln selbst entwickelt werden müssen. Auch andere Fluxus-Künstler:innen wie Ay-O und Ben Vautier entwickelten Arbeiten, die zum Spielen einladen, was den partizipativen Netzwerk-Charakter von Fluxus widerspiegelt.

SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH Feldversuch #5: Saito – Ay-O nimmt neben Werken und Dokumenten von Takako Saito und Ay-O unter anderem auch Tomas Schmit, Mieko Shiomi, Daniel Spoerri, André Thomkins, Ben Vautier und Wolf Vostell in den Blick.

Dorothee und Erik Andersch (beide 1940 – 2021) waren ein wichtiger Bestandteil des rheinischen Fluxus-Netzwerks der 1960er und 70er Jahre. Im Studentenwohnheim Regenbogen in Düsseldorf boten sie einigen Künstler:innen, wie u.a. Takako Saito, eine Unterkunft und enge Freundschaften entwickelten sich. Auf dieser persönlichen Basis entstand ab 1968 eine Sammlung, die den Fluxus-Begriff weit fasste.

Während der Feldversuch #5: Saito – Ay-O noch bis zum 22. November 2026 zu sehen sein wird, widmet sich das Projektteam im Hintergrund der Vorbereitung einer Sammlung Online auf der neuen Homepage des Museums Abteiberg und dem langfristigen Ziel, ein Schaumagazin inmitten der Sammlungsräume des Museums einzurichten. Ein solches Format kann gewährleisten, die heterogenen Bestandteile des Konvoluts – Kunstsammlung, Archiv und Bibliothek – an ein und demselben Ort nicht nur konservatorisch gut gesichert aufzubewahren, sondern auch auszustellen und für die Forschung bereitzustellen. Auch hierfür ist es elementar wichtig, die Bestände in Form einer Sammlung Online für die Öffentlichkeit recherchierbar zu machen.

Das Gesamtprojekt SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH wurde initiiert durch eine Ankaufsförderung der Kulturstiftung der Länder, des Landes NRW und der Hans Fries-Stiftung. Von 2021 bis 2024 unterstützte das Programm Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW die Aufarbeitung und Ausstellung der Bestände, ergänzend gefördert durch die Hans Fries-Stiftung. Seit 2025 wird das Projekt durch die Hans Fries-Stiftung und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

EVA BRANSCOME
Hans Hollein’s Masterpiece Art, Architecture and the City
Buchpräsentation
in Kooperation mit der Baukunstklasse der Kunstakademie Düsseldorf

Soeben ist im Verlag Lund Humphries, London, die große Studie der austro-amerikanischen Architekturhistorikerin Eva Branscome zur Ideen- und Baugeschichte des Museums Abteiberg erschienen. Branscomes Publikation wurde gefördert durch die Gerda-Henkel-Stiftung und basiert auf ihrer Forschung in den Archiven von Hans Hollein und Museum Abteiberg sowie ihrer intensiven kultur- und zeithistorischen Reflektion der frühen Postmoderne. Gemeinsam mit der Baukunstklasse der Kunstakademie Düsseldorf, wo der Wiener Architekt Hans Hollein von 1967 bis 1976 eine Professur hatte, realisieren Eva Branscome und das Museum Abteiberg am 1. Februar eine Präsentation und Diskussion der Thesen dieses Buchs.

Das 1982 eröffnete Museum Abteiberg in Mönchengladbach wurde sofort für seine Integration in das Stadtbild gelobt und es führte dazu, dass der Architekt und Künstler Hans Hollein 1985 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Dieses Buch von Eva Branscome, die als Professorin für Architektur und Kulturerbe an der Bartlett School of Architecture, University College London lehrt, nimmt eine Neubewertung des einflussreichen Gebäudes vor, das auf Anhieb zu einem Wallfahrtsort für Kunst und Architektur wurde. Das Buch untersucht die Rolle der Museen als „kulturelle Scharniere“, deren Architektur und Kunstwerke sie mit der sie umgebenden Stadt verbinden. Anhand einer Reihe von Ausstellungen, u. a. von Joseph Beuys und Daniel Buren, werden innovative Ideen des Kuratierens aus der Perspektive von zeitgenössischer Kunst untersucht – beispielsweise die Ablehnung des traditionellen Museumskonzepts der Enfilade, bei dem ein Raum zum nächsten führt – sowie die Überlegung, dass Gebäude und Sammlungen die sie umgebende Stadt widerspiegeln. Viele der Ideen, die in diesem Gebäude zum ersten Mal verwirklicht wurden, veränderten die Museumsarchitektur der damaligen Zeit und stellen auch heute noch eine Herausforderung für die Museumspraxis dar.

250 × 190 mm, 192 Seiten, 80 Schwarz-Weiß, und 20 Farbabbildungen, ISBN 978-1-84822-715-6, gebunden, Hardcover  55€ (An der Museumskasse erhältlich.)

Athanor NOW: Reflections and Fluidities
Über Material und Prozess ausgehend von Sigmar Polkes Biennale-Zyklus 1986
Öffentlicher Studientag der Anna-Polke-Stiftung und der Kunsthochschule für Medien Köln im Museum Abteiberg

7. November 2026

Die Prozessualität des Materials durch Einflüsse von Feuchtigkeit und Wärme war charakteristisches Merkmal von Sigmar Polkes zentralem Werkzyklus für den Deutschen Pavillon der Biennale Venedig 1986, der von Dierk Stemmler, dem damaligen Direktor des Museums Abteiberg kuratiert wurde. Die künstlerischen Ideen dieser heute in den Sammlungsräumen des Museums Abteiberg zu erlebenden Werkserie von Polke schreiben sich in fluiden Ausstellungsinszenierungen und Experimenten der Gegenwartskunst als material- und ökokritische Reflexionen fort. Der in Kooperation veranstaltete Studientag der Anna Polke-Stiftung und der Kunsthochschule für Medien Köln legt sein Augenmerk auf Material- und Prozessforschung sowie performative Interventionen. In Referenz an Sigmar Polkes künstlerische Praxis wird das Museum Abteiberg zum Ort, um dem Spiegelenden und dem Fluiden, den Reflections and Fluidities von Materialität nachzugehen.

Teil von Sigmar Polke. Athanor NOW, ein Projekt der Anna Polke-Stiftung. Über das Jahr hinweg werden Themenführungen, Kurzführungen an den Ersten Sonntagen und ein Kreativheft für Kinder die 6 Kunststoffsiegelbilder verstärkt in die Vermittlung des Museums einbinden.

VERMITTLUNG / BILDUNG

Das Museum Abteiberg reagiert auf gesellschaftliche Herausforderungen und Veränderungen. Inklusion und Integration sind wichtige Fragestellungen, die verstärkt in die Konzeption der Vermittlung einfließen.

Interkulturelle Outreach Projekte wie Künstlerisch zusammen erproben partizipative Formate mit Kindern und Jugendlichen. Mit dem zweijährig angelegten Projekt Mein Viertel. Mein Museum öffnet sich das Museum einmal mehr in die Stadt hinein. Zusammen mit dem Kunstmuseum Krefeld und lokalen Kooperationspartnern werden neue Formen kultureller Teilhabe zwischen städtischen Quartieren und dem Museum verankert und weiterentwickelt. Vermittlungsangebote sollen künftig verstärkt unter Einbindung von Fokusgruppen entwickelt werden.

Die medienpädagogischen Angebote am Museum Abteiberg wie das GameLab, Film – und Animationswerkstätten vermitteln Techniken der audiovisuellen Medienproduktion. Die junge Podcast-Redaktion „Museums-Gangsters“ wird auch 2026 aus dem Museum senden. Junge Stimmen und kreative Auseinandersetzung mit der Kunst der Gegenwart verknüpfen sich mit kritischer Reflexion über digitale Medien und Mediennutzung.

HOCHSCHULLEHRE IM MUSEUM
Die Kooperation mit dem Studiengang Kulturpädagogik der Hochschule Niederrhein wird vertieft. Der studentische organisierte ArtLabLunch im Museum Abteiberg setzt partizipative Hochschullehre um und verbindet aktive Wissensvertiefung mit praktischer Erfahrung.

OFFEN FÜR SCHULEN

DAS SCHÖNSTE KLASSENZIMMER DER STADT
Kulturelle Bildungspraxis begegnet den Herausforderung der Gegenwart und vermittelt Schlüsselkompetenzen im Umgang mit einer multiperspektivischen Realität und ist Voraussetzung für kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe. Das Museum beteiligt sich an einem institutionsübergreifenden Modellprojekt mit fünf Grundschulen des rhythmisierten Ganztags, durch das die Entwicklung von strukturell breit verankerten Angeboten der kulturellen Bildung in Mönchengladbach verstetigt wird. Eng abgestimmte Förderprogramme ermöglichen Kindern und Jugendlichen aufeinander aufbauende kulturelle Erlebnisse.

ERSTER SONNTAG
Zahlreiche Besucher*innen nutzen den ERSTEN SONNTAG im Monat bei freiem Eintritt, stündlichen Führungen und offener Malklasse, um das Museum Abteiberg kennenzulernen. Das Programm ERSTER SONNTAG richtet sich an ein breites Publikum baut Barrieren ab. Es wird durch die Stadtsparkasse Mönchengladbach gefördert und auch im Jahr 2026 fortgesetzt.

DRITTER DONNERSTAG
geöffnet bis 22 Uhr
Die DRITTEN DONNERSTAGE mit langer Öffnungszeit bis 22 Uhr etablieren sich als offene Abende für inhaltliche Angebote, initiiert durch die junge Gruppe der MG-Artfriends im Museumsverein sowie neue Kooperationen mit Vereinen und freien Gruppen. Die Konzertreihe POP-UP-PARADISO, organisiert vom Museumsverein Abteiberg, wird 2026 fortgesetzt.

Die ABENDAKADEMIE in der Malklasse bietet kreative Workshops für Erwachsene mit Dozent*innen aus der künstlerischen Praxis. Unterschiedliche Ansätze künstlerischen Denkens und Handelns werden gemeinsam erforscht. Teilnehmende lernen klassische und interdisziplinäre Techniken und Medien der Gegenwartskunst kennen.

 [Bildunterschriften]

Abb. 01 Durchstich, Foto: Susanne Titz
Abb. 02 Grant Mooney, Grant Mooney, sphere music, 2025. Installationsansicht, Chisenhale Gallery, London, 2025, Foto: Andy Keate
Abb. 03 Takako Saito, Play Chess with the Sun, 1993, SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH im Museum Abteiberg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Ludwig Kuffer
Abb. 04 Ausstellungsansicht SAMMLUNG/ARCHIV ANDERSCH Feldversuch #5: Saito – Ay-O, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Foto: Achim Kukulies
Abb. 05 Buchcover, EVA BRANSCOME , Hans Hollein’s Masterpiece, Art, Architecture and the City
Abb. 06 Logo Athanor Now, Anna Polke Stiftung
Abb. 07 Anna, Der Freiheitszauberstab, 2025, Foto: Lucie Gorzolka